Mittwoch, 13. Juli 2022

Scouting... (Tag 17)

 Nach der Anstrengung von gestern sind wir heute ziemlich erschöpft und haben zum Glück auch nicht so richtig was vor.

Daher also: Ausschlafen, gemütlich frühstücken, rumsitzen. L. arbeitet eine Weile, ich mache Duolingo, lese, schreibe eine Einkaufsliste. Draussen ist es ziemlich zugezogen, später soll es aufklaren.

Am frühen Vormittag raffen wir uns auf zu einer Scoutingrunde. Als wir das letzte Mal 2018 im September/Oktober hier waren, waren viele Cafés geschlossen, es gab überall viel Platz zum Parken an netten Wanderstellen. Jetzt ist Hochsaison und wir wollen gucken, ob die Orte, an denen wir damals ganz allein umherspazierten von Wohnmobilen überrannt sind.

Außerdem sind wir etwas nostalgisch und fahren einfach nochmal diese wohlvertrauten Straßen. Der weg führt uns Richtung Bø Kommune, dafür müssen wir über den Pass samt Tunnel. Kein Schnee diesmal. Dafür ist der Tunnel eine einzige Baustelle. Wir tasten uns mit dem Auto so durch und sind froh, dass die Fahrspur doch breiter ist, als zuerst angenommen. So kann man ganz passabel an den anderen Autos vorbei.

Wir fahren biegen nach Norden ab und fahren die immer schmalere Straße weiter nach Hovden. Zwischen Nykvag und Hovden schmiegt sich die Straße eng an den Fels, zum Glück kommt nichts von vorn. In Hovden parken wir auf dem gleichen Parkplatz wie damals. Hier stehen zwar zwei Caravans, aber es ist nicht voll. Dafür hat das Café auf - wie gut, dass wir das Mittagessen haben ausfallen lassen.

Wir essen "vafler med brunost og syltetøy og jordbær" - YUMMI und zur Sicherheit testen wir auch den Ostekake - Cheesecake Käsekuchen (so langsam wird die Sprachverwirrung groß). Dazu trinken wir warmen Kakao. Das Wetter klart tatsächlich etwas auf, zwischen den Wolken kommt die Sonne immer häufiger durch, dafür frischt der Wind ordentlich auf. Gerade hier an der äußersten Spitze der Insel.



Frisch gestärkt spazieren wir rüber zum Hafen in der Hoffnung Seeadler zu entdecken. hier haben wir damals auch mehrere sichten können. Seeadler gibt es heute leider nicht zu sehen, dafür ist das Meer hier aufgewühlt und bricht sich wild an den vorliegenden Felsen.






Wir fotografieren, gucken nach Seeadlern, entdecken eine Kolonie (wahrscheinlich) Kormorane und/oder Tordalken auf einem der vorgelagerten Felsen und spazieren eine ganze Weile später zurück zum Auto.

Dann halten wir kurz bei einem anderen Strand. Dahinter ragt ein Berg steil hinauf, den wir damals "mal kurz" hinaufgeklettert waren. Diesmal rauschen beeindruckende Wellen an den Strand.






Wir fahren eine große Runde durch die Kommune und halten ganz kurz am relativ neuen "Ringstad Resort", damals als wir dort waren, war es noch das hyggelige "Huset pa Yttersiden". Das neue Resort ist eher luxuriös, posh und fancy - das alte Sjøhus mit den Ferienwohnungen steht zwar noch, ist aber ziemlich versteckt hinter dem Neubau. Ich weiß nicht, ob da nochmal hin würde. Gerne würde ich dort aber mal im Restaurant essen.

Ich bin müde, die Fahrt zieht sich. In Myre halten wir nochmal an, um ein bißchen einzukaufen. Da bleibe ich im Auto vor lauter Müdigkeit. Später machen wir TK-Pizza von Peppes. Die ist rechteckig und für eine Tiefkühlpizza lecker. Danach schauen wir noch zwei Folgen Doctor und dann bin ich auch schon eingeschlafen.

Dienstag, 12. Juli 2022

12 von 12... (im Juli) - On the road again! (Tag 16)

 Caro sammelt 12 Bilder vom 12. eines Monats.


Heute sagen wir "Ha det, Andoya!", denn wir verlassen Andoya heute und sind damit auch am Ende unserer Radreise angelangt. Naja, noch nicht ganz am Ende. Denn heute liegen 60km vor uns, bis wir in Sortland unseren Mietwagen abholen. Das ist eine ziemlich lange Strecke, vor allem, wenn man so unfit ist, wie ich. Und wenn man zumindest ein bißchen gegen die Zeit anradeln muss, denn die Autovermietung schließt um 16:00. Wir brechen daher schon früher als gewöhnlich auf und winken gegen 9:00 dem Museumshaus zum Abschied. Die ersten 10km bis Risoyhamn sind weiterhin überwiegend flach und gerade, dafür kommt der Wind von vorn und der bläst ordentlich. Flach und gerade, um uns herum Marschland - da gibt es auch nichts, dass den Wind abbremsen würde. Wir trampeln also gegen den Wind. Dazu ist es zwar herrliches Wetter, aber auch eben auch schon über 20°C, als wir das Haus morgens verlassen.


Kaum haben wir über die Brücke bei Risoyhamn geschoben und die Insel verlassen, hat es sich mit dem norwegischen Pilotprojekt "flach und gerade" auch direkt wieder erledigt. Die Menge der Höhenmeter, die man "mal eben" so mit wegradelt steigt wieder an. Die Berge rücken näher. Der Wind bleibt, wechselt in seiner Intensität aber zwischen "nix" und "eine Windschneise erwischt uns frontal". Es wird heißer. Es sind inzwischen 25°C. Beim zweiten Frühstück gegen 10:30 oder 11:00 ziehe ich meine Jacke aus. Wir haben 20 Kilometer geschafft.


Nächste Trink- und Atmenpause bei Kilometer 30. Wir teilen unsere Getränke gut ein. Meine Leggings klebt eng und unangenehm an den Beinen. Ich hab aber nicht die Nerven, mir aus den tiefen der Packtasche eine kurze Hose zu holen. Der Verkehr ist zum Glück eher spärlich, dafür gefühlt 80% Wohnmobile, die an jeder Stelle einfach überholen. Egal, ob vor unübersichtlichen Kuppen oder uneinsehbaren Kurven oder auch, wenn sichtbar Gegenverkehr kommt. Die wenigen Autos und LKW überholen meist vorbildlich. In Norwegen ist (wie in D) ein Mindestabstand von 1,50m vorgeschrieben. Außerdem MUSS man zum Überholen die Gegenspur nutzen. Liegt es am durchschnittlichen Alter der Wohnmobilfahrer? Ist die theoretische Fahschule einfach zu lange her? Ist es vielleicht schon zu anstrengend mit genügend Abstand um Radfahrer herumzufahren?



Kilometer 42. Wir halten für einen weiteren Snack (Apfel und Möhre) und atmen ein paar Minuten länger. Man kann den recht hohen und langgezogenen Ansteig auf einer Art "Hochtal" (so hoch isses gar nicht) zwischen zwei Bergen schon sehen. Als ich mich gestärkt genug fühle, radeln wir weiter. Die Steigung kommt, ich schalte runter und strampele möglichst gleichförmig, genauso wie ich ganz diszipliniert atme, um den Berg zu schaffen. Eine Wohnmobil-Auto-Kolonne kommt von hinten. Und dann sehe ich nur noch ganz nah neben mir ein Wohnmobil, dass schnell an mir vorbeizieht. Ohne jeglichen nennenswerten Abstand. Lieber Wohnmobilfahrer aus Rosenheim: F**K Y*U ! Ich kriege einen Riesenschreck und halte einfach an. Zack. Gehirn aus. Panikmodus. Voll schön, wenn andere Menschen einen so egal finden, dass sie einen umbringen möchten. L. hält, wir schieben die Räder auf den nicht vorhandenen Seiten-/Grasstreifen, können aber wegen des mangelnden Platzes nicht richtig stehen bleiben. Also weiter. Irgendwie. Erstmal weg hier. Ich reiße mich zusammen und wir fahren weiter, irgendwie schaffe ich es den Berg hoch. An der nächsten Möglichkeit, wo es wenig Platz am Straßenrand geht, bleiben wir stehen, damit ich die Panik wegatmen kann. Da kann ich auch wieder besser denken. Also hier nochmal: Lieber Wohnmobilfahrer aus Rosenheim: Ich hoffe, du hast auf dem hinterletzten, gottverlassenen Bergpass mit deiner Sch***karre einen Motorschaden. Ich hoffe, dass du zu denen gehörst, die weder Englisch noch Norwegisch können und dann VIEL SPASS dabei, dich und dein Riesengefährt zurück nach Hause zu kriegen.

Schade, dass man in so einer kurzen Gefahrensituation nicht die Geistesgegenwart hat, sich das ganze Kennzeichen zu merken.


Kilometer 50 etwa. Wir halten nur kurz zum Trinken und Atmen am Straßenrand. Alles sehr idyllisch hier, aber inzwischen bin ich zu erschöpft, um die wirklich supertolle Aussicht zu genießen. Ich bin deutlich über meinem Leistungslimit, es ist heiß. Kein Wind mehr inzwischen oder wenn, ist es heißer Wind. 


Kilometer 50,5 oder so. Kurz hinter dem idyllischen Bootshäuschen sehen wir einen Adler auf dem Stein sitzen. Fotostopp.


Kilometer 51. Wir halten nur ganz kurz an, weil wir endlich die Brücke rüber nach Sortland sehen. Das Ende ist nah. Ich bin komplett durchgeschwitzt, nach der Paniksituation ist alles Adrenalin aufgebraucht und ich will mich eigentlich nur noch hinsetzen und ein Eis. Und ganz viel eiskaltes Trinken. Leider stehen uns die allermeisten Höhenmeter nun noch bevor. Es gibt nochmal steile Anstiege, einer davon immerhin in Liland, wo es ein paar Kilometer einen Fahrradweg gibt. Der andet aber an einer Brücke. Die schieben wir lieber. Und sehen schon den nächsten langen, weiten Anstieg. Dort halten wir unten. Trinken. Nur noch kleine Reste da. Ich hebe mir einen Schluck für oben auf. Ich trete mechanisch, habe eigentlich gar keine Kraft mehr. Ich halte an jeder noch so kleinen Einbuchtung ein. Und wieder versucht uns jemand von der Straße zu drängen. Diesmal jemand mit SUV und angehängtem Wohnwagen. DAS SCHEISSDING SCHERT AUS!!! WEISST DU DAS, DU DOOFER HAMBURGER FAHRER???? 

Ein zweites Mal ist es jemandem völlig egal, ob da Radfahrer sich mit extremer Mühe eine Straße hochkämpfen. Ist es jemandem egal einen Unfall mit Personenschaden zu verursachen. Ist es jemandem egal, wenn andere fast von der Straße gedrängt werden. Panik kriegen. Ich möchte mal ganz höflich darauf hinweisen, dass man als Radfahrer ein GLEICHBERECHTIGTER Verkehrsteilnehmer ist. Jemand, der genau das gleiche RECHT hat auf einer Straße zu fahren. Ich müsste nicht mal netterweise nah an den Rand gepresst (wo übrigens viel mehr Spurrillen, Risse und Schlaglöcher sind) fahren. Ich könnte auch mittig auf meiner Spur fahren.

Die letzten Kilometer bis zur Brücke sind wirklich eine Tortur. Die Straßenlage sch*** wegen der Caravans. Kein Trinken mehr. Hitze. Überhaupt gar keine Kraft mehr. Total überm Limit. So hatte ich mir das Ende der Radreise nicht vorgestellt. Ich hatte eher gehofft, am Ende sagen zu können: "Joa - so fit geworden, dass auch 60km radelbar waren."


Endlich die Brücke, die nach Sortland rüber führt. Da muss ne Hurtigrute durchpassen und wer weiß, was für große Schiffe noch. Dementsprechend hoch ist die. Wir schieben auf dem sehr schmalen (Rad+Packtaschen+Hintern reicht gerade so, um nicht überzustehen) Randstreifen. Die Brücke ist hoch. Ich bin total erschöpft und mein Gehirn läuft über. Ich gucke den kompletten Brückenweg stoisch nach vorn auf den Weg. Lieber nicht über den Fjord raus, lieber nicht jetzt noch Höhenangst triggern.


L. bleibt oben stehen und fotografiert einmal über Hafen mit Kystvakt und Sortland. Dann sind wir am Ende der Brücke. Nur noch weniger hundert Meter bis zur Autovermietung. Letztes Mal, als ich hier war, war es mitten in der Nacht, wir schmissen den Schlüssel in die Box. Luden die Räder nochmal voll und rollerten müde bis zum Hurtigrutenkau. Diesmal andersrum. Es dauert gefühlt ewig, bis wir das Auto haben. Immerhin ein größeres, als geplant. D.h. weniger Stress, die Räder reinzuladen. Nochmal Kraft sammeln. Räder absatteln, Vorderräder rausnehmen. Alles im Auto verstauen. Zum Einkaufszentrum fahren. Vertrautes Gefühl. Im Laden schnell eine Kleinigkeit zu Essen und kalte Getränke gekauft. Ganz kurzer Abstecher zum Angelladen. L. ersetzt den verlorenen Köder. Der Verkäufer berichtet von mehr Chaos an Airports. Diesmal verlorenes Gepäck in Deutschland. Sollte einen Monat brauchen, bis es gefunden und geliefert wird. Hat mit langen Telefonaten dann "nur" eine Woche gedauert. Ich reguliere meine Erwartungen an "Die Familie kommt nach" auf: Sie kommen irgendwann Donnerstag oder Freitag hoffentlich zusammen mit ihrem Handgepäck an. Wir fahren zum Ferienhaus.


Dort freudiges Wiedersehen mit unseren Koffern. Juhu! Alles angekommen. wir sprechen kurz mit dem Vermieter, der gerade da ist. Dann endlich endlich duschen, irgendwas Essen (Reis, Kidneybohnen, Mais, dazu Brot).




Kurz bevor meine Beine keinen Schritt mehr tun können, gehen wir noch zum Strand / Hafen runter. Hier war es heute auch schön, Kinder haben am Strand gespielt und im Sand gemalt. Vom Steg aus angelt jemand.

Völlig erschöpft nach sooo einem langen Tag ins Bett.


Montag, 11. Juli 2022

Der Adler und die Möwen... (Tag 15)

 Radel-Tag. Was bedeutet: wir spulen morgens nach dem Aufstehen unsere übliche "Bad - Kaffee! - Frühstück mit Kaffee! - Packen"-Routine ab. Je näher das Ende unserer Radreise kommt, je besser klappt das. Muss wohl so sein.

Gegen halb elf sind wir abmarschbereit. Wir gehen nochmal runter ans Wasser, um dem Strand Tschüss zu sagen und machen ein Bild von den Hot Pools Hügeln. War super da drin (über den Preis legen wir den Mantel des Schweigens). 





Und schon sitzen wir wieder auf den vollgepackten Rädern. Die Straße ist tatsächlich eher flach und gerade. Man muss das ja auch mal erwähnen. Dafür hat der Wind gedreht und kommt von vorn (und etwas von der Seite). Aber gut, das muss ja so sein. Wind kommt immer von vorn. Es ist etwas bewölkt, aber im Prinzip total angenehm zu fahren. Etwa 12 oder 13°C und eigentlich so, dass man sehr gut in einen gemeinsamen Tritt findet und dann einfach vor sich hin pedaliert.

Also wenn ich den Kaffee heute morgen vertragen hätte. In der Campinghütte war noch ein Rest Kaffee (eine Portion) und da unserer auch zur Neige geht, habe ich heute morgen erst den vorhandenen Rest aufgebraucht. Damit unserer morgen noch reicht. Tja. "Mount Kenia" vertrage ich wohl nicht. Es kam mir schon beim Radbeladen alles etwas seltsam vor und L. kaufte mir schnell noch eine Zimtschnecke und Fanta mit Zucker, damit ich den Kaffeeschock schneller hinter mich bringen kann. Aber so schnell hilft ja alles nix.

Also sitze ich auf dem Fahrrad und komme kaum voran. Vor mich hin gucken geht kaum, da wird mir schwindelig. Immer zum Meer schauen ist besser, aber dann schlenkert man auch mehr und immerhin teilen wir uns die (spärlich befahrene) mir allerlei Wohnmobilen. Außerdem schwitze ich aus jeder Pore, mir läuft der Schweiß nur so runter - bei 12°C Außentemperatur und einer ordentlichen Brise wohlgemerkt. Offensichtlich versucht mein Körper den Kaffee einfach wieder auszuschwitzen. Ich hechele also so die Straße entlang und ein paar Mal radelt L. mir fast davon, bis er merkt, dass ich nicht hinterher komme. Was nicht ausgeschwitzt wird, füllt meine Blase. Na toll.

Das wollte jetzt keiner so genau wissen? So ist diese Radeltour aber.

Nach ein paar Kilometern biegen wir auf eine kleine "Straße" ab. Was bei uns als ganz typisch deutscher Feldweg firmieren würde, ist hier eine Nebenstrecke. So werden wir zumindest eine Weile die Caravans los.


Wir fahren also den Schotterweg und schlängeln uns um Schlaglöcher drumherum. Dann werden wir vom Förster-SUV und seinem Mitfahrer "Artic Trucks" überholt. Kennt jemand das Meme wo jemand auf ein Wasserbassin einen Sticker klebt? Hier geht das so: "Wie nennen wir hier oben im Norden unsere Firma?" "Ganz klar! Artic *Firmenname*!" Alles heißt hier Arctic...

Wir fahren die lange gerade und wirklich gar nicht mal so hügelige Feldwegstraße entlang. Aber wirklich praktisch kein Verkehr. Am Ende der Straße ist eine kleine Bank, dort essen wir die Zimtschnecke. Dann fahren wir in den Ort ein und L kauft im Laden noch schnell die zwei, drei Sachen, die wir vergessen hatten. Dann fahren wir auf der "großen" Hauptstraße (mit Mittelstreifen!!) nach Süden Richtung Risoyhamn. Eine ganz gerade Straße. WOW. Wir schrecken mit den Quietschereifen zwei junge Elche auf, die schnell wegrennen. Leider keine Fotos, denn hier ist doch etwas mehr Verkehr (der Tine-Laster überholt uns) und wir können nicht wie doofe Touris stehenbleiben und wegrennende Elchhintern knipsen. Irgendwo auf der Straße sagt das Garmin, dass wir angekommen sind. Wir rollern einen Feldeweg runter auf ein einsames weißes Haus zu, umgeben von abgemähten Grasfeldern. Dort erwarten uns 6 frische Eier vom Bauernhof, die L direkt in Rührei verwandelt. Danach verbringen wir einen sehr gemütlichen Ausruh-Nachmittag im Garten. Zwischendurch gehen wir mal über das Grasfeld und werden direkt von Großem Brachvogel, mehreren Möwen und einigen Austerntauchern angemeckert. Aha, am Matsche-Steinstrand sind jede Menge Küken.










Wir sitzen weiter draußen, ich lese mein Buch zu Ende. Als plötzlich Action aufkommt. Zusammen mit einer Möwe nähert sich ein großes, dunkles Etwas dem Strand. L. erkennt den Seeadler sofort, ich dachte erst an eine große Krähe. Der globalen Situation geschuldet, folgt nun ein Bericht von der Front.

Es existiert eine Flugverbotszone über dem Kükenstrand. Diese wird durch patroullierende Möwen (und andere Elternvögel) dauerhaft überwacht. Nähert sich ein feindliches Flugobjekt steigen Abfangmöwen sofort auf und versuchen den Eindringlich abzuwehren. Verstärkung wird direkt mit angefordert. Als diese hochsteigt und dem Gegner zahlenmäßig 4:1 überlegen ist, wird der Angreifer unbarmherzig weggeschrieen und vertrieben. Die Flugverbotszone wird mit großer Vehemenz durchgesetzt, bis der Gegner abdreht und schleunigst zurück in seinen Horst fliegt.

Auf Fotos gebannt sieht das dann ungefähr so aus:
















Jetzt bald schlafen gehen. Morgen liegt ein sehr anstrengender und langer Radeltag vor uns. Der letzte.

Sonntag, 10. Juli 2022

Coastal Trail... (Tag 14)

 Heute ist Pausetag auf dem Stave Campingplatz. Irgendwann gegen 4:00 morgen war ich mal zum Klo und hatte schnell noch ein Foto aus dem Fenster raus gemacht. Schlaftechnisch stört mich die andauernde Helligkeit nicht, etwas seltsam ist es aber schon und total beeindruckend. Das Zeitgefühl geht allerdings total verloren. Zu Hause kann ich an Hand von Helligkeit und der Menge vorbeifahrender Autos bis auf eine halbe Stunde genau ziemlich gut einschätzen, wie spät es ist. Das geht hier nicht. Solange hier die Sonne nicht von Wolken verdeckt ist, kann man sich noch gut am Sonnenstand orientieren (dazu muss man natürlich die Himmelrichtung kennen. Nie Ohne Seife Waschen - wir erinnern uns dunkel). 

4:00 morgens

Pausetag, das heißt auch, dass wir endlich mal wieder waschen können. Wir gehen gleich nach dem Frühstück los, in der Hoffnung, dass zwischen "viele reisen ab" und "es sind noch keine Neuen angekommen" die WaMa und der Trockner frei sind. Sind sie. Wir beladen die WaMa, halten die Kreditkarte an das kleine Terminal und schwupps, wird das Waschprogramm gestartet.


Danach erledigen wir paar Papierkramdinge, ich schreibe den Blogpost zu gestern, L. arbeitet, ich lese. Zwischendurch räumen wir die Wäsche von der WaMa in den Trockner. Bzw. steht unsere Wäsche schon oben in dem grauen Korb, denn andere Camper möchten auch waschen.

Gegen 14:00 fragen wir an der Rezeption ob es noch einen freien Platz im Hot Pool gibt. Leider ist abends alles ausgebucht, aber um 15:00 wäre was frei. Ha! Wir sind ja elastisch in den Beinen und überhaupt sehr flexibel. Und da es ja dauerhaft hell ist, ist es total egal, wann wir zum Wandern aufbrechen.

Also buchen wir den Slot, legen die Wäsche zusammen, gehen duschen und dann in den herrlichen Hot Pool mit Blick auf die Berge, über die Ebene und rüber zum Strand und dem Meer. Es ist sehr sehr angenehm, die Sonne scheint, das Wasser ist so etwa 38°C warm und die Aussicht einfach fantastisch. Ich lasse mich von allen Seiten massieren, sooo schön!

Danach sind wir eigentlich rechtschaffen müde. Aber wir wollen ja noch den angepriesenen Coastal Trail gehen. Und denken uns: an der Küste, so ganz ohne Berge, die am erklimmt - das ist ja auch mal eine schöne Wanderung.

Dachten wir. HA HA HA

Wir packen also unser Kram und marschieren so um 16:30 los. Wir gehen zuerst an der Straße entlang in die kleine Ansammlung der Häuser von Stave. Dahinter geht es weiter zum Hoyvika, dem "hidden beach". Für ein paar Meter geht es auch einen grasigen Pfad um den Berg herum, dann besteigen wir eine kleine Anhöhe, die schon einen wundervollen Blick über die Strände erlaubt. 



Wir steigen die Anhöhe wieder hinunter und wundern uns, warum uns von rechts (und nicht von links, wo wir erwarten, dass der Pfad weitergeht) jemand entgegen kommt. In der Bucht kommen auch gerade ein paar Kayaker an.


 Und dann wird es uns schlagartig bewusst - der versteckte Strand will doch erst mühsam erwandert werden. Bestätigt bekommen wir dies von einem älteren Paar (mit Stöckern, ü70), die uns aber beruhigen - "The way is marked." Okay. Ich nehme das mal so hin.


Bitte steigen Sie hier die 50m steil zwischen den Bergen erst hinauf und dann auch wieder hinunter. Das ist hier immerhin der "grüne" - also allerleichteste Wanderweg, da kann man ja froh sein, dass man nur durch das Loch in den Bergen muss und nicht links oder rechts erst ein paar hundert Meter hochsteigen. Damit es NOCH einfacher geht, haben wir überall dort, wo sie gerne instinktiv hinfassen möchten, Markierungen angebracht.

Wir beginnen dort hochzukraxeln, ich atme viel, es ist ziemlich steil (also für mich jetzt) und ich finde auch direkt heraus, dass die wirklich gut sichtbaren Markierungen HEUTE aufgemalt wurden. Als ich nämlich dran fasse, ist meine Hand voller roter Ölfarbe. Tja. Aber: This is the way (to the beach). Also weiter. Um fair zu bleiben: ich trete meist nicht besonders sicher und es gibt überall Steine und ausgetretenes, so dass man einen Pfad erkennt. Und meist ist alles in "einer Stufe höher"-Reichweite, so dass man nicht zwingend große Schritte machen muss. Trotzdem geht es eben recht steil hoch und genauso dann auch wieder runter:


Hinab geht es genauso, wie hinauf. Wir machen ganz langsam. Unten wieder angekommen, die die vertikale Kraxelei in eine horizontale übrig. Wir klettern nun über ein Feld von großen Steinen. Was ich früher als Kind häufig und super gern gemacht habe, ist heute schon eine echte Herausforderungen. L. geht vor und schaut immer, welche Steine nicht kippeln. Ich schleiche hinterher. Dafür sehen wir schon den Strand und ich bin sehr begeistert. Einige Zeit später sind wir auf einem Graspfad, der einmal um den Strand herum geht. Der Strand ist eng eingeschlossen von hohen Bergen und etwas Grasfläche. Daran schließen sich erst ein paar Meter Geröll an und dann ein feiner, weißer Sandstrand, der gaaaaaanz flach wird, so dass die Wellen langsam auslaufen und nur sachte über einige Meter den Sand überspülen. Traumhaft, einfach traumhaft. Bis auf einen Mann mit einem kleinen Jungen, der dort im fußtiefen Wasser freudig spielt, matscht und rennt, ist niemand da. Bald gehen auch die beiden.

Wir setzen uns auf einen großen Stein und holen den Kocher raus. Ich habe Riesenhunger, denn wir dachten ja, dass wir nur eine kleine Strandwanderung machen und hatten das Mittag geskipped.





Was für ein absoluter Traumstrand!




Wir essen gemütlich (Reis und Snackmöhren) und sitzen einfach nur und schauen raus aufs Meer. Das türkise Wasser schwappt gemütlich an den Strand, es ist keine Wolke zu sehen, die Sonne scheint und es geht (zur Abwechslung) kein Wind. Ganz ruhig ist es zwischendurch.

Dann machen wir uns auf den Rückweg. Wieder geht es steil hoch. Ganz oben angekommen entdecke ich noch ein kleines Easteregg - was würde Däniken wohl sagen? ;)



Wir spazieren in strahlendem Sonnenschein zurück zum Campingplatz. Das war mal ein toller Ausflug! Wenn auch nicht so easypeasy, wie das, was ich mir unter "Coastal Trail" vorgestellt hatte. Ich hoffe, dass bei all unseren Umplanungen der letzten Tage, es in den kommenden zwei Wochen klappt, dass wir mit dem bald anfliegenden Rest der Mannschaft nochmal herkommen können. Die Kinder würden einen Riesenspaß beim Klettern haben.

Zurück auf dem Campingplatz kauft L noch ein Bier (diesmal die Senja Variante von Altbier) und ich trinke eine eiskalte Fanta. Derweil sitzen wir am Notebook und planen (mal wieder) um. Der Text unserer Ferienwohnung ist nämlich offenbar mißverständlich und es ist kein Boot dabei. OH JE! Wie konnte uns das nur passieren??? Immerhin hat der Vermieter uns einen Kontakt genannt, bei dem wir per Mail erstmal höflich nachfragen, ob dort ein Boot zu mieten ist. Vor lauter Erschöpfung nach Hot Pool und Wanderung sehe ich mich schon dem Minimann erklären, dass es nix wird aus unserem Plan einen Heilbutt zu fangen. seufz. Aber noch ist ja nicht aller Tage Abend.

Hier ist aber nun doch Abend. Ich falle müde ins Bett. Morgen ist wieder Radl-Tag.