Letztes Wochenende waren wir in Nienburg bei Freunden. Und da das
Wetter nochmal richtig gen "goldener Herbst" ausschlagen sollte, kam ich
schnell auf die Idee, dass ich da auch mit dem Rad hinfahren könnte.
Nach einigem Hickhack mit der
Garmin Basecamp Software und dem Ausprobieren von anderen Routenplanern
(Google, Gpsies, Naviki) hätte ich alles beinahe nochmal hin geschmissen.
Fazit: Naviki ist recht gut, beinhaltet für die App allerdings In-App Käufe. Um
den kürzesten Weg auf Radwegen zu finden, ist es geeignet. Für gpsies war ich
offenbar zu doof, da konnte ich nicht mal eine Route erstellen und die Garmin
Software-Bedienung ist für den Preis einfach mal eine bodenlose Frechheit. Wenn
man zusätzlich zu dem vielen Geld für Gerät, Software und Kartenmaterial aber
noch viele Stunden Gewurschtel reinsteckt, kriegt man am Ende auch eine
vernünftige Route raus.
Donnerstag morgen waren Mann
und Kinder auf Arbeit, KiGa und Schule verteilt und ich hatte noch etwas Zeit
zum Packen, Brote schmieren, Kette schmieren, zig Mal auf's Klo rennen und eine
kleine Haushaltsrunde.
Ganz wichtig für längeres
Radeln: die feine Balance zwischen "Gewicht sparen" und "muss
unbedingt mit".
Meine Packliste sah dann so
aus:
Regenhose (naja, die muss auf jeden Fall mit,
meine lag dann doch trocken im Schrank, ups)
Regenjacke
dickere, enge Fleecejacke als
zusätzliche Schicht
Handschuhe
Multifunktionstuch
Stirnband, dünn
Handschuhe
Strumpfhose, langes Shirt,
Wechselunterwäsche
Ladekabel
Minipackung Deo, Linsenmittel,
Linsenbehälter, Zahnbürste
Taschentücher
Wasser (0,75l und 1,5l)
Brote
Dose mit Tomaten und Möhren
Müsliriegel
Dazu meine Radelklamotten:
Lauftight, dicke Sportsocken, Unter-Tshirt, dickeres LA-Shirt, ganz dünne Windjacke.
Bei ca. 20°C und richtig tollem
Sonnenwetter war das genau richtig.
Etappe 1 – von I nach Hemmingen-Westerfeld (ca. 85km)
Gegen 11:00 trudelte der beste Freund ein, der die Tour mit mir
zusammen radeln würde. Schnell nochmal alles durchgegangen, Räder gecheckt,
das übliche Selfie und um 11:30 ging es dann los.
Die Routenplanung lief schon
nach 2 km entgegen meiner Ortskenntnis. Und so bleiben wir noch vor dem
nächsten Ort stehen, um Garmin, Naviki und meine „so würde ich aber fahren“-Route
abzugleichen. Am Ende entschieden wir uns für die direkteste Strecke, die über
einen ziemlich blöden Berg führt. Aber von nix kommt nix, und so hechelte ich
mich den ersten Berg rauf.
Das Garmin versuchte derweil die Strecke neu zu berechnen – was sich
über die ersten 1,5 h und etwa 15 km hinzog und auch kein so tolles Ergebnis
brachte.
Wegen der merkwürdigen Routenplanung kamen wir anfangs nur sehr langsam
voran und kurz zuckte der Gedanke in mir auf, ob die Strecke dann überhaupt
heute noch zu schaffen wäre.
Schließlich landeten wir aber auf dem Leine-Heide-Radweg, der uns
laut Naviki fast die geplante Strecke entlang führen sollte, nur eben großteils
abseits der großen Straßen. Sehr schön.
Der Leine-Heide-Radweg ist sehr – nun ja – divers. Von
asphaltierten Radwegen bis hin zu kleinen Waldpfaden mit herausragenden
Wackersteinen ist jede Nuance vertreten. Ich würde mal sagen, Rennradfahrer
würden einige Teiletappen ihr Rad lieber tragen. Im Großen und Ganzen ist der
Weg aber relativ gut ausgeschildert und befahrbar.
Da wird quer durch Alfeld radeln, bietet sich dort eine Pause an.
Wir hoffen auf einen Eisladen, aber die Eisdiele hat Ende Oktober bereits
geschlossen. Sehr schade. Dafür finden wir kurz hinter Alfeld einen schönen
Rastplatz direkt an der Leine. Dort machen wir eine längere Brotzeit. Danach
geht die weitere Etappe Richtung Gronau und juche – der Eisladen dort hat
geöffnet. Wir machen daher kurz nach dem Mittag noch eine Eispause.
Gut gestärkt radeln wir weiter. Der Weg führt durch Nordstemmen, an
Schloss Marienburg vorbei und weiter Richtung Pattensen. Kurz vor Pattensen
wird die Wegführung noch einmal etwas undurchsichtig und merkwürdig.
Schlussendlich fahren wir ein Stück „nach Gefühl“. Es beginnt auch zu dämmern
und verwundert stelle ich fest, dass mein vorderes Licht nicht geht. Es stellt
sich heraus, dass der dazugehörige Akku noch immer an meinem PC steckt und
lädt. Tja nun.
Die restlichen Kilometer bis Hemmingen, dem Ziel der ersten
Etappe, schaffen wir aber gerade noch mit genug Restlicht.
Hämmernde Kopfschmerzen (wahrscheinlich über den Tag doch viel zu
wenig getrunken) veranlassen mich zu einem kurzen Stopp an einer Apotheke. Ein
paar Minuten später, (gegen 18:30) checken wir ins Hotel in Hemmingen-Westerfeld ein,
schließen die Räder so gut es geht an und beziehen das Zimmer. Endlich duschen!
Eine halbe Stunde später sind wir einigermaßen erfrischt und müde,
aber vor allem hungrig. Zum Glück gibt es eine Straße weiter ein nettes
griechisches Restaurant, in das wir einkehren.
Viel zu vollgefuttert schlafe ich später im Hotel praktisch sofort
ein. Der Tag war wunderbar, aber nach sieben Stunden unterwegs, von denen wir
etwas unter 6 h geradelt sind, fordert der Körper doch Tribut.
Etappe 2 – von Hemmingen nach Nienburg (Weser)
Nach einem schönen Frühstück im Hotel packen wir unsere
Siebensachen und machen uns auf zur zweiten Etappe. Wir hatten aus
Motivationsgründen beschlossen, die erste Etappe länger, als die zweite zu
wählen. So liegen heute noch etwa 65 km vor uns, denn wir wählen den Weg mit
kleinem Schwenker über das Steinhuder Meer.
Leider nieselt es bereits, als wir uns auf die Räder schwingen.
Die ersten Kilometer bis Garbsen verlaufen auf gut ausgebauten Radwegen durch
die Außenbezirke Hannovers und radeln sich schnell weg. Solange man warm
bleibt, ist auch der Regen kein Problem. Ich stelle fest, dass ich meine
Regenhose wohl zu Hause vergessen habe. Die Lauftight ist glücklicherweise
relativ dicht gewebt und weicht nicht so schnell durch.
Hinter Garbsen und weiter Richtung Steinhuder Meer führt uns der
Weg geradewegs durch die morastigen, matschigen Feld- und Waldwege mitten durch
das „Tote Moor“ hindurch. Ich habe Mühe überhaupt voranzukommen und das Rad
stabil zu fahren. Oft bleibt man praktisch im Moor stecken oder rutscht an
großen Ästen entlang vom Weg ab. Es wird mühsam und ich merke langsam, dass
heute schon der zweite Tag auf dem Rad ist.



Wenigstens klart es etwas auf und für etwa eine halbe Stunde hört
es sogar auf zu regnen. Wir machen einen Minikuchenstopp im Moor (es gab
mini-kleine Gugelhupf beim Check-out im Hotel). Kurz danach erreichen wir das
Ufer des Steinhuder Meers. Hier hätten wir gerne eine (längere) Kaffee- und
Brotpause gemacht, doch nach ein paar Minuten beginnt es wieder zu regnen.
Daher beschließen wir, unsere Brote schnell im Stehen zu essen und radeln dann
weiter. „Der Weg ist das Ziel“ wird abgelöst durch „das Ziel ist das Ziel“. Wir
nehmen trotzdem fünf Extrakilometer Straße in Kauf, um nicht nochmal durch das
Moor zu fahren zu müssen. Die lohnen sich auf jeden Fall und sind wegen der
matschigen Waldwege im Moor sogar noch eine Zeitersparnis.



Zuerst geht es grob in Richtung Neustadt am Rübenberge und dann
über sehr gut ausgebaute „Rübenschnellwege“ nach Schneeren, Bolsehlde und
Husum. In Husum wandelt sich der Regen kurz vor Schluss auch noch in einen
dicken Wasservorhang und meine Lauftight gibt dann doch auf. Ich weiche
ziemlich durch. Und trotzdem wir uns mitten in der Norddeutschen Tiefebene
befinden, gibt es langgezogene, leichte Steigungen, für die ich keinen
passenden Gang finde. Kraft und Ausdauer lassen merklich nach. Außerdem ist
mein noname-Griptape von der rechten Pedale abgeschrabbelt und ich finde mit
dem rechten Fuß kaum noch genug Halt, um zu treten.
Ich riskiere einen Blick auf das Navi und bin positiv überrascht:
nur noch 2km bis zum Ziel. Ein paar Kurven weiter erkenne ich auch
hocherfreut den ersten Nienburger Kreisel. Wir haben es geschafft!
Sehr durchnässt kommen wir bei unseren Freunden an. Nach dem
obligatorischen Geschafft!-Foto macht der beste Freund sich auf den Weg zum
Hotel und ich unter die Dusche. Danach sitze ich eine Weile mit Kaffee,
entspanne und „komme an“.
Das Wetter ist derweil übrigens komplett aufgeklart, die Sonne
lacht. Hrmpf. Aber gut, ich habe jetzt gelernt, dass Regen nicht problematisch
ist, derweil man nicht durchfriert, oder es einfach aus Kübeln gießt. Mein
Mann und die Kinder trudeln nach längerem Stau mit dem Auto ein und ich werde
(kurz) stürmisch begrüßt, bevor die Kinder allesamt zum Spielen verschwinden.
Der beste Freund bringt auf dem Rückweg Kuchen mit und wir stärken uns am Abend
mit Hamburgern und Apfelkuchen.
Fazit: Die Strecke ist wirklich schön und sicherlich auch
landschaftlich noch besser, wenn man einige Kilometer mehr in Kauf nimmt. Ab
und an haben wir uns für die kürzeren Strecken an Straßen entlang entschieden,
statt den manchmal größeren Umwegen folgenden ausgeschilderten Radwegen zu
folgen. Die Radwege in den Außenbezirken Hannovers sind gut ausgebaut und prima
befahrbar. Auch dort führt der Weg, wenn möglich, durch Parks oder
verkehrsberuhigte Straßen. An Hauptstraßen gab es auf dieser Strecke entweder
eigene Radwege oder deutlich markierte Radspuren auf der Straße. Der
Leine-Heide-Radweg ist streckenweise hervorragend ausgebaut, es gibt viele
Verweilplätze mit schöner Aussicht und ab und an auch eine Schutzhütte zum
Unterstellen.
Die Streckenlänge konnte ich mit einem eher moderaten Fitnesslevel
sehr gut bewältigen. Alles hinter Kreiensen zeigt keine nennenswerten
Steigungen mehr auf, die Kraft kosten.
Ich bin sehr froh, mir diese kleine Radwanderung zugetraut zu
haben. Trotz Regen am zweiten Tag, war es ganz wunderbar, die Strecken, die man
sonst nur per Auto oder Zug zurücklegt aus eigener Kraft zu radeln und die
Landschaft noch einmal ganz neu zu entdecken.